
Eigensinn hat einen schlechten Ruf. Menschen mit dieser Eigenschaft kommen in der Regel nicht gut an. Jedoch kann es wichtig sein, seine eigenen Bedürfnisse ebenso ernst zu nehmen, wie die der Anderen und sogar mal gegen den Strom zu schwimmen.
Jeder Mensch ist in sich einzigartig – und widersprüchlich,
weil in jedem Menschen widersprüchliche Gedanken und Gefühle vorhanden sind.
Ursula Nuber
Während das für viele Menschen eine grosse Zerreissprobe darstellt, weil solch widersprüchliche Gefühle und Gedanken Spannungen erzeugen, hat ein eigensinniger Mensch gelernt, diese Widersprüche auszuhalten. Mehr noch, er liebt solche Widersprüche. Ein eigensinniger Mensch fliesst nicht mit dem Strom mit. Er fliesst in seinem eigenen Tempo und gibt selbst die Richtung vor. Er liebt die Veränderung und deshalb fällt es ihm leicht, die Fliessrichtung schnell wieder zu ändern. Er überprüft, und nimmt eine neue Justierung vor, wenn er nicht mehr im Einklang mit dem ist, was sein Eigensinn ihm vorgibt. Er ist skeptisch und nimmt nichts als gegeben hin. Er kann nicht anders und wird von der Gesellschaft als unbequem erlebt. Mich faszinieren Menschen, welche sich nicht in der Masse bewegen. Bisschen schräg sein, aus der Reihe zu tanzen, nicht um zu provozieren, sondern nur, um sich selbst zu sein. Eben, als Elefant mit Zebrastreifen herumgehen. Ich nenne das "kauziger Eigensinn".
Eigensinnig zu sein braucht Mut und ich bin kein Elefant mit Zebrastreifen. Vielleicht kennen Sie den Roman von Uwe Timm, "Vogelweide". Ich liebe den kauzigen und eigensinnigen Protagonisten Eschenbach, welcher zurückgezogen auf einer Insel lebt und als Vogelwart die Vögel beobachtet. Er muss sich weder mit sozialen Anforderungen noch mit den to do's auseinandersetzen. Einen eigensinnigen Menschen auf einen unbequemen und eigenbrötlerischen Zeitgenossen zu reduzieren, ist zu einfach. Es steht so viel mehr dahinter…
Meine Definition von Eigensinn
Für mich ist Eigensinn eine Fähigkeit, welche mir hilft, mich nicht beirren zu lassen und für Veränderungen und Wachstum offen zu sein. Eigensinn gibt mir den Mut, meine eigene Meinung unabhängig von äusseren Einflüssen auszudrücken und zu vertreten. So gesehen ist Eigensinn auch ein Stück Unabhängigkeit. Damit ist nicht gemeint, aus Prinzip gegen den Strom zu schwimmen oder/und andere Menschen von den Kopf zu stossen. Ich setze mich nur dafür ein, woran ich glaube. Ja, Sie haben recht, wenn Sie denken, dass tut ein Egoist auch. Jedoch möchte ich mich, auch wenn ich eigensinnig bin, am Abend im Spiegel anschauen können.
Eigenbrötler, ein schöner Begriff: er ist Ausdruck für einen Sonderling und ist seit dem 17. Jh. überliefert und meint jemanden, „der sein eigenes Brot backt“; zuerst im Schwäbischen übertragen für „Junggeselle“ und „jemanden, der seinen eigenen Haushalt hat“ gebraucht, verbreitete sich das Wort im 19. Jh. dann über den gesamten deutschen Sprachraum im Verständnis „Einzelgänger“, was eher negativ bewertet ist. Immerhin kann ein Einzelgänger allein gehen und ist kein Mitläufer. Ganz abgesehen davon, ist doch heute Individualität gefragter denn je… nur, wenn jemand diese Individualität lebt, gilt er schon wieder als Eigenbrötler oder unangepasst.
Eigensinn hat Sinn
Mit Eigensinn wird oftmals Sturheit, Egoismus, Aggression oder Anstrengung gleichgesetzt. Stattdessen bedeutet Eigensinn, nach seinem eigenen Sinn zu leben. Deswegen komme ich nicht drum herum, mich mit der Sinnhaftigkeit des Lebens auseinanderzusetzen. Nach seinem eigenen Sinn zu leben es führt langfristig zu einem gesünderen, glücklicheren und zufriedeneren Leben – sowohl für das Individuum als auch für die Gesellschaft. Ist das zu provokativ?
Gegen die Infamitäten des Lebens sind die besten Waffen: Tapferkeit, Eigensinn und Geduld. Die Tapferkeit stärkt, der Eigensinn macht Spass, und die Geduld gibt Ruhe.
Hermann Hesse
Kauziger Eigensinn als Neubeginn
Ich bin fast siebzig Jahre alt, habe eine tolle Familie, Kinder und Enkelkinder. Mir ist bewusst, dass ich an der Schwelle zum Dritten Drittel meines Lebens stehe. Meine Praxis habe ich aufgelöst, was viel mehr Zeit freisetzt. Nun stellt sich die Frage, wie weiter? Ruhestand geniessen? Wie definiere ich Ruhestand? Was kann ich, will ich denn nun? Das weiss ich noch nicht so ganz genau. Was ich sicher weiss, ist, dass ich weiterhin mein Eigenes tun möchte. Nicht das, was "man tut", sondern das, was ich wirklich will. Und, indem ich nicht tue, was andere tun, oder, weil andere es tun, zeige ich meine Individualität.
Vielleicht erlebe ich gerade eine etwas spätpubertäre Phase. Denn der Eigensinn fasziniert mich, weil für mich Eigensinn nicht negativ, sondern positiv besetzt ist. Eigensinnige Menschen haben Persönlichkeit, weil sie zu sich stehen, auch wenn andere anderer Meinung sind.
Ich habe früh gelernt, mich anzupassen, Rücksicht zu nehmen und mich nicht so wichtig zu nehmen. Das sind sicherlich wichtige Eigenschaften, denn sonst wäre ich ein Egoist. Dieses starke, aufgezwungene "mich anpassen zu müssen" hat mich auf die Gegenseite, in die Rebellion gebracht. Rebellion nicht im üblichen Sinne, sondern mehr sch… drauf, was andere von dir denken. Das hat mich weit(er) gebracht. Jedoch nicht ohne Rücksichtnahme auf andere und nicht ohne mich auch unterordnen zu können. Ich habe gelernt, zu entscheiden, wann ich eben eigensinnig bin, und wann ich mich anpasse. Egal, was ich tue, dafür übernehme ich die Verantwortung.
Eigensinn ist unbequem - für andere und für mich
Für wen, für andere oder für mich? Ich kann nur für mich antworten: Eigensinn ist für alle unbequem. Der Begriff "unbequem" gibt mir das nächste Stichwort: Kennen Sie das Buch von Vera Strauch "Unbequem, eine Aufforderung zum Anecken?" Ich zitiere sie: "Schluss mit angepasst – nur wer aneckt, bringt etwas in Bewegung. Wollen wir angepasst leben, nicht auffallen und keinesfalls anecken – und dabei unsere eigenen Werte verraten, weil wir uns ständig verbiegen? Oder lohnt es sich vielleicht, mal nicht angepasst zu reagieren, aus der Rolle zu fallen und wirklich einzutreten für das, was richtig ist, für die Gesellschaft oder auch nur für uns selbst?"
Menschen aus unserer nächsten Umgebung reagieren auf den Eigensinn. Sie verstehen es nicht, fühlen sich womöglich auch irritiert und unsicher. Das ist verständlich, sind doch eigensinnige Menschen manchmal auch Unruhestifter, was mir irgendwie gefällt. Eigensinnig liegt mir im Blut. Unbequem zu sein, auch. Nur kann ich damit nicht ganz so gut umgehen, wenn andere Menschen mein Handeln, oder gar mich als Person, kritisieren. Und schon sind wir wieder da, wo wir es allen recht machen wollen. Wir wollen geliebt werden, und versuchen deswegen, "es" allen recht zu machen. Darin bin ich eben auch gut, bleibe dann jedoch auf der Strecke.
Um mich zu entwickeln, muss ich Dinge ausprobieren können. Nietzsche sagte, "wer gewinnen will, muss auch verlieren können". Es gehört also auch dazu, dass ich hinfalle, dass das, was ich versucht habe, nicht gelungen ist. Dass ich Fehler machen darf. Nur, wenn ich Fehler gemacht habe schäme ich mich dafür. Diese Fehler versuche ich zu verstecken, dabei würde ich genau in solchen Momenten Menschen brauchen, welche mir helfen, damit umzugehen. Da stehe ich nun, erfolgreich im Aussen, zutiefst verunsichert im Innen. Dabei wollte ich etwas bewirken, verändern oder verbessern. Ich fühle mich wie gelähmt. Wie soll ich jedoch meine Kraft für etwas Neues einsetzen, wenn ich meine gesamte Kraft nur dafür verwende, dass ich mich so verhalte, um von anderen Menschen geliebt zu werden?
Eigensinn, verachtet und geächtet
Jedoch, wie könnte Entwicklung stattfinden, gäbe es nicht eigensinnige Menschen, welche ein Gespür für Neues haben, welche es wagen, aus der Norm zu tanzen, damit wir uns (auch gesellschaftlich) weiterentwickeln können? Zuverlässigkeit, Treue, Gleichmut und Grosszügigkeit zählen zu den guten Tugenden. Egoismus, Sturheit, Disziplinlosigkeit etc. und Eigensinn zählen zu den Untugenden. Viele Sprichwörter belegen das: "Eigensinn ist ein übler Ratgeber", oder "Der Eigensinn ist die Energie der Dummen". Ob diese Sprichwörter recht haben, wage ich zu bezweifeln. Es kann doch nicht sein, dass die Welt nur funktioniert, wenn wir uns zum Wohle der Anderen selbst verleugnen und unterordnen.
Ab und zu werde ich als uneinsichtig, störrisch oder egozentrisch bezeichnet. Letztendlich bedeutet das, dass ich nicht so kompatibel und schwer lenkbar sei. da stellt sich mir schon die Frage, ob das Ergebnis nach bald siebzig Jahren so sein soll, dass ich in einem "so-tut-man-es-Brei" lande? Für mich ein no go. Dann wären all meine Erfahrungen umsonst. Weswegen sollte ich nicht Dinge tun, die ich will, egal wie alt ich bin? Man ist nie zu alt, um vernünftig unvernünftig zu sein. Und ich kenne viele vernünftig unvernünftige…
Ist Eigensinn eine Tugend?
Ich finde schon. Und ich liebe diese Tugend. In vielen Büchern kann man lesen, dass Gehorsam eine Tugend sei. Mir stellt sich die Frage, auf wen oder was sich dieser Gehorsam bezieht. Ist es nicht so, dass sich dieser auf von Menschen gemachte Gesetze bezieht? Und schon sind wir wieder beim Thema: Eigensinn fragt nicht nach diesen Gesetzen, ausser dem Gesetz des "Eigen(en) Sinns".
Eigensinn ist letztendlich unser "eigener Sinn"
Dieser ist dem menschlichen Herdensinn entgegengesetzt, denn dieser fordert Unterordnung und Anpassung. Mit Eigensinn meine ich weder Egoismus noch Rebellion oder Revolution.
"Der Mensch mit seinem Eigensinn, den ich meine, sucht nicht Geld oder Macht. Er verschmäht diese Dinge nicht etwa, weil er ein Tugendbold und resignierender Altruist wäre, im Gegenteil. Aber Geld und Macht und all die Dinge, um derentwillen Menschen einander quälen und am Ende totschießen, sind dem zu sich selbst gekommenen Menschen, dem Eigensinnigen, wenig wert. Er schätzt eben nur eines hoch: die geheimnisvolle Kraft in ihm selbst, die ihn leben heißt und ihm wachsen hilft. Diese Kraft kann durch Geld und dergleichen nicht erhalten, nicht gesteigert, nicht vertieft werden, denn Geld und Macht sind Erfindungen des Misstrauens. Wer der Lebenskraft in seinem Innersten misstraut, wem sie fehlt, der muss sie durch solche Ersatzmittel wie Geld kompensieren. Wer das Vertrauen zu sich selber hat, wer nichts Anderes mehr wünscht, als sein eigenes Schicksal rein und frei in sich zu erleben und ausschwingen zu lassen, dem sinken jene überschätzten, tausend Mal überzahlten Hilfsmittel zu untergeordneten Werkzeugen hinab, deren Besitz und Gebrauch angenehm, aber nie entscheidend sein kann […]"
Hermann Hesse, aus "Eigensinn"
Eigensinn erleichtert das Abgrenzen
Damit meine ich nicht, anderen Menschen Grenzen zu setzen und möglichst laut "Nein" zu sagen. Obwohl es das manchmal auch braucht. Ich meine die stille Abgrenzung. Jene, welche mich das leben lässt, was ich möchte, ohne dass ich schaue, was man wohl über mich denken könnte, sondern indem ich zu mir stehe, wie ich bin. Damit wächst das Selbstbewusstsein – vielleicht auch die Selbstsicherheit –, was mich innerlich unabhängiger werden lässt. Ich liebe es zum Beispiel, abends einen Krimi zu schauen. Jedoch ist Fernsehschauen bei vielen verpönt. Soll ich das nun verschweigen, oder darf ich dazu stehen? Passt das ins Bild von mir, was ich im Aussen sein (oder darstellen) möchte? Und zum Bügeln schaue ich eine kitschige Soap oder Raumschiff Enterprise. Schmälert sich nun Ihr Bild von mir? Was tun Sie, was Sie vor anderen verstecken, weil Sie befürchten, dass Ihr Bild, was andere von Ihnen haben, ins Wanken bringen könnte?
Es braucht Mut, dem inneren Zwang, anderen gefallen zu wollen, zu widerstehen und sich auch von diesem “anderen gefallen wollen” abzugrenzen.
Die Eigensinnigkeit ist im wirklich Eigensinnigen so angelegt, dass er ihr Ausdruck verleihen muss, er kann nicht anders. Ich fühle mich dann authentisch. Es fällt mir schwer, meinen Eigensinn zu verleugnen oder ihn zu unterdrücken. Sonst gerate ich unter Druck, fühle mich unwohl, bekomme Stress. Eigensinnig betrete ich immer wieder unbekannte Pfade und mache diese zu meinem eigenen Weg. Auch wenn die Wege unbekannt sind, ich fühle mich darauf zuhause. Denn ich passe in keine Schubladen oder Kategorien. "Wer den Mut hat, eigene Wege zu gehen und dazu die Kraft, die dazugehörende Unsicherheit auszuhalten, der kann möglicherweise Wundersames erleben." Albin Rohrer Drücken wir nun die Reset-Taste und ändern Dinge, in dem wir uns fragen, weswegen wir uns so verhalten, wie wir uns verhalten. Ist es, weil wir Anerkennung suchen, oder weil unser Verhalten anerzogen ist, und wir vergessen haben, zu überprüfen, was wir wollen? Ist es, weil wir einfach geliebt werden möchten? Ist Ihnen bewusst, dass Sie es nie allen recht machen können und auch nicht müssen? Ohne Eigensinn ist Entwicklung sehr viel schwieriger. Eigensinnige Menschen, so sehe ich das, sind eine Bereicherung. Mich faszinieren sie. Sie geben der Welt eine ganz besondere Note…
Wenn sich Eigensinn im EigenSinn auflöst,
strahlt das wolkenlose Bewusstsein.
Ute Lauterbach
Originale und Kopien
"Jeder Mensch wird als Original geboren, die meisten sterben jedoch als Kopie". Ich will keine Kopie sein. Ich will herausfinden, wer ich bin, und das kann ich nur, wenn ich nicht dem Herdentrieb folge. Herman Hesse bezeichnete Eigensinn nicht, wie die Gesellschaft es tat, als "Untugend". Er schrieb Folgendes:
"Es gibt eine Tugend, die liebe ich sehr, eine einzige. Sie heisst Eigensinn.
Tugend ist Gehorsam. Die Frage ist nur, wem man gehorcht.
Auch der Eigensinn ist Gehorsam.
Aber alle anderen so sehr beliebten und gelobten Tugenden sind Gehorsam gegen Gesetze, welche von Menschen gegeben sind. Einzig der Eigensinn ist es, der nach diesen Gesetzen nicht fragt.
Wer eigensinnig ist, gehorcht einem anderen Gesetz, einem einzigen, unbedingt heiligen,
dem Gesetz in sich selbst".
Wie die Welt wohl wäre, wenn wir mehr Originale und weniger Kopien hätten? Wir hätten vielleicht vielmehr Menschen wie Hesse es war, wir hätten mehr eigenständige und mutige Denker!
Gewinn oder Verlust
Wir vergleichen uns oft mit anderen, welche mutiger oder einfach besser sind. Deswegen probieren wir vieles nicht aus, weil wir es uns nicht zutrauen. Die Angst, was andere wohl über uns denken, beraubt uns vieler Möglichkeiten. Eigensinnig zu sein, bedeutet eigene Weg zu gehen. Sich auf sein eigenes Wesen einzulassen. Dies bedingt die Frage, was denn für einen wesentlich ist. Wesentlich bedeutet, das zu tun, was dem eigenen Wesen entspricht. Damit stossen wir vielleicht an unsere Grenzen, wir machen Fehler, zweifeln an uns etc. Fehler machen wir jedoch auch, wenn wir nichts riskieren. Auch fallen wir so oder so manchmal auf die Nase. So stellt sich doch die Frage, was man verlieren kann, wenn man eigensinnig durch das Leben geht? Nichts. Wir können nur gewinnen und aus Erfahrungen lernen. Hermann Hesse: "Für den Eigensinnigen gibt es nichts als das stille, unweigerliche Gesetz in der eigenen Brust, dem zu folgen, was dem Menschen des bequemen Herkommens so unendlich schwerfällt, das dem Eigensinnigen aber Schicksal und Gottheit zugleich bedeuten".
Je stärker die gesellschaftlichen Normen sind, desto stärker wird der Wunsch, auszubrechen und seinen eigenen Weg zu gehen. Viele glauben, dass es in der Welt ohne Regeln und Gesetzte drunter und drüber ginge. Dementsprechend haben wir eine Unmenge an Gesetzen. Und trotzdem geht vieles drunter und drüber.
Die Aufgabe, die wir uns stellen sollten, ist nicht, uns sicher zu fühlen,
sondern in der Lage zu sein, die Unsicherheit zu tolerieren.
Erich Fromm
Eigensinnige Menschen leben nach dem eigenen Sinn, brechen gewissermassen aus dem Korsett von Zwängen aus, sind jedoch nicht egoistisch. Egoisten suchen nur ihren persönlichen Vorteil, welcher sich meist in äusseren und materiellen Dingen zeigt. Eigensinnige leben einfach nach ihren "Eigen(en) Sinn".
Wäre Hermann Hesse nicht eigensinnig gewesen, und hätte er getan, was man von ihm erwartet hat, wäre er vielleicht ein kleiner Schreiberling einer Gemeinde geworden: angepasst, unauffällig und gesellschaftskonform.
Und wenn wir gut darin geworden sind, so zu sein, wie andere es von uns wollen, merken wir gar nicht mehr, wie anstrengend das sich anpassen ist. Und weil wir gut im Anpassen sind, nerven wir uns über alle Unangepassten. Da ist kein Platz zum Träumen oder Nichtstun, sondern man muss die Zeit mit Wichtigem verbringen, mit Rechtschreibung und Sprachen lernen.
Finden Sie nicht, dass man es mit dem Anpassen auch übertreiben kann? Gerald Hüther schreibt: "Menschen sind Lebewesen und keine Maschinen. Und als Lebewesen verfügen wir Menschen über etwas, das die von uns gebauten Maschinen, auch die allerbesten Roboter und Automaten nicht haben und niemals haben werden: eigene Bedürfnisse, Sehnsüchte und Träume und damit auch den Wunsch und den Willen, sie zu verwirklichen. Wer nichts mehr will, wem nichts mehr wichtig ist, wer nichts mehr begehrt, der spürt auch nichts mehr. Der ist seelisch tot." Sie finden das krass? Ich nicht. Ohne Eigensinn kann man weder seine Befindlichkeiten noch seine Bedürfnisse spüren. Solche Menschen haben längst gelernt, ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche an den Wünschen und Bedürfnissen anderer Menschen anzupassen. Bis ihr System irgendwann kollabiert.
Es lohnt sich EigenSinn(ig) zu sein
Sie entscheiden, wie Sie ihr Leben gestalten. Ob Sie es auf andere ausrichten und Sie im gewohnten Trott bleiben. Oder ob Sie den Mut haben, umsichtig und liebevoll, vernünftig unvernünftig zu werden - eben eigen-sinnig. Und vielleicht werden andere Sie als schräg empfinden… was für ein Kompliment!
Ich beende diesen Blog mit Henry David Thoreaus Zitat, und wünsche Ihnen, dass Sie den Mut haben, nach aussen zu tragen, was in Ihnen liegt.
Was vor uns liegt und was hinter uns liegt,
sind Kleinigkeiten im Vergleich zu dem,
was in uns liegt.
Und wenn wir das, was in uns liegt,
nach aussen in die Welt tragen, geschehen Wunder.